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Humboldt-Universität zu Berlin | RMZ | Forschung | Neue Wege in der Hochschulmedizin

Neue Wege in der Hochschulmedizin: Karriereentwicklung und Translation zwischen Autonomie und Kooperation (KETAK)

(11/2020 – 10/2023)

 


Projektleitung: Dr. Barbara Hendriks


 

Der tiefgreifende Strukturwandel des deutschen Wissenschaftssystems seit den 1990er Jahren bildet den Ausgangspunkt des vorliegenden Forschungsvorhabens. Im Zuge einer vertieften formalen Hierarchisierung und Standardisierung von Prozessen unter Zuhilfenahme von neuen Evaluations- und Managementinstrumenten – heute näher beschrieben und diskutiert unter den Schlagworten „New Public Management“, „Ökonomisierung“ und „Finanzialisierung“ – werden öffentliche Einrichtungen dergestalt rationalisiert, dass sie ihre Leitungsstrukturen differenzieren, das Aufgabenspektrum erweitern, strategische Entscheidungen treffen sowie individuelle Leistungsanreize zur Erfüllung dieses neuen Aufgabenspektrums entwickeln. Die ökonomische Handlungslogik hat somit, neben einer wissenschaftlichen Logik, Einzug in formale Organisationsstrukturen erhalten und eröffnet ein neues Spannungsfeld.
Die Hochschulmedizin in Deutschland steht hier als gesundheitssystemischer Maximalversorger und Aushängeschild biomedizinischer Grundlagenforschung vor besonderen Herausforderungen: In ihr verbindet sich auf komplexe und spannungsgeladene Weise die Trias aus Forschung, Lehre und Patientenversorgung. Forschung und Lehre vollziehen sich immer stärker in einem vom Gedanken der Exzellenz dominierten, hochkompetitiven internationalen Umfeld, während die Patientenversorgung einem intensiven Ressourcenwettbewerb zwischen Funktions- und Fachbereichen innerhalb der Universitätsklinik sowie zwischen den einzelnen Standorten der Hochschulmedizin unterworfen ist. Eine stärkere Ausrichtung an finanziellen Kennziffern und messbaren Leistungsoutputs fördert Bürokratisierungseffekte zutage, trägt zu Arbeitsverdichtungen in der Patientenversorgung und Forschung bei und leistet insgesamt einer Verschiebung des organisationalen Fokus auf erlösrelevante Tätigkeiten auf der Ebene des Individuums Vorschub.
Mit Blick auf diese neuen rationalisierten Steuerungsformen und dessen Folgen, die sich beobachten lassen, verfolgt das KETAK-Projekt das übergreifende Ziel, neuere Formen der Arbeitsorganisation und deren organisations- und professionsbezogenen Implikationen und Wirkungen  zu untersuchen. Exemplarisch für diese neuen Formen der Arbeitsorganisationen stehen die integrierten Forschungs- und Behandlungszentren (IFB) und die Clinician Scientist Programme (CSP), welche mithilfe eines Multi-Methoden-Ansatzes empirisch untersucht werden: unter Zuhilfenahme von Expert*inneninterviews, einer standardisierten Onlinebefragung, Policy-Dokumentenanalyse sowie Beobachtungsstudien werden die je spezifischen Arbeitsorganisationsformen an verschiedenen Universitätskliniken in Deutschland analysiert und mögliche Effekte dieser auf die gültigen Steuerungsmodi erfasst und miteinander verglichen. Empirisch prüft das Projekt somit, ob und inwiefern die beiden genannten Ansätze einer rationalisierten Steuerungsgovernance und dessen spezifische Effekte (bspw. eine zunehmende Verdichtung von Arbeitszeit) praktisch entgegenwirken können.

 

gefödert durch
Bundesministerim für Bildung und Forschung
Projektpartner
Charité Universitätsmedizin Berlin

 

Praxispartner