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Publikationsbias: Analyse der Nichtveröffentlichung und Nichtrezeption von Ergebnissen im disziplinären Vergleich

 

 


Projektleitung: Dr. Felicitas Heßelmann (HU), Dr. Helen Niemeyer (FU)


 

Die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen nimmt im Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnisproduktion einen zentralen Stellenwert ein. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass Ergebnisse, die den fachspezifischen Standards für Forschungsqualität genügen, möglichst vollständig publiziert werden. Für den wissenschaftlichen Diskurs, die valide Synthese bestehenden Wissens und die Generierung darauf aufbauenden neuen Wissens ist eine unverzerrte publizierte Studienlage eine unabdingbare Voraussetzung. Allerdings lässt sich beobachten, dass das Wissenschaftssystem Anreizstrukturen für Veröffentlichungen schafft, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Forschungsqualität stehen und bestimmte Ergebnisse gegenüber anderen begünstigen: Studien, die signifikante Ergebnisse erbringen oder dem Forschungstrend und Zeitgeist entsprechen, werden mitunter im Publikationsprozess oder in der Rezeption bevorzugt. Vor diesem Hintergrund will das Projekt die Ursachen von selektiver Nichtveröffentlichung und Nichtrezeption fachspezifisch und auf der Ebene der Forschungspraxis identifizieren und gezielt adressieren. Übergeordnet ist die Frage, in welchem Verhältnis die verschiedenen Werte von Forschungsqualität, Publizierbarkeit, Rezeptionschancen und wissenschaftlicher Reputation in Forschungs- und Publikationspraktiken stehen. Diese Fragen sollen in zwei Fächern vergleichend mit einem mixed-methods Ansatz untersucht werden. Dadurch wird eine quantitativ und hypothesengeleitet forschende mit einer nicht vorrangig quantitativ arbeitenden Disziplin kontrastiert. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen als empirische Fundierung dienen, auf deren Basis eine edukative und partizipative Intervention zur Reduzierung von Publikationsbias für Nachwuchswissenschaftler*innen entwickelt und validiert wird.
Das Projekt wird im Rahmen der Berlin University Alliance als Kooperation zwischen Humboldt-Universität (Projektleitung Dr. Felicitas Heßelmann, Robert-K.-Merton-Zentrum) und Freier Universität (Projektleitung Dr. Helen Niemeyer, Arbeitsbereich Klinisch-Psychologische Intervention) durchgeführt. Das an der Humboldt-Universität angesiedelte Teilprojekt widmet sich dabei vorrangig der qualitativen Analyse von Prozessen im Forschungsalltag, in denen Entscheidungen zur (Nicht-)Veröffentlichung und (Nicht-)Rezeption getroffen werden. Im Zentrum stehen die Durchführung leitfadengestützter Interviews zur qualitativen Rekonstruktion des Verhältnisses von Forschungsqualität und Publizierbarkeit, sowie die ethnografische Beobachtung der Publikationsprozesse und –praktiken ausgewählter Forschungsgruppen in zwei Disziplinen.

 

Gefördert durch

Berlin University Alliance