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Diversität und Anpassungsfähigkeit des Peer Review – zur Metastabilität von Peer Review-Formaten

(11/2020 - 10/2023)

 


Projektleitung: Dr. Cornelia Schendzielorz, Prof. Dr. Martin Reinhart

Mitarbeitende: Lise Moawad, M.A.


 

Wissenschaft ist auf Begutachtungsprozesse angewiesen, in denen die Qualität von wissenschaftlicher Arbeit bewertet wird. Sowohl für Prozesse der Selbststeuerung als auch der Fremdsteuerung von Wissenschaft erfolgt dies meist durch Peer-Review-Verfahren. Obwohl Peer Review als Instrument wissenschaftlicher Qualitätssicherung allgegenwärtig ist, ist es seit jeher auch umstritten. Beklagt werden u.a. Fehleranfälligkeit, Ineffizienz, Konservatismus, Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, geographischer Herkunft oder institutioneller Zugehörigkeit, was in der Summe nicht selten in Krisendiagnosen einer grundsätzlichen Überlastung der Verfahren und der an ihnen Beteiligten mündet. Trotzdem stellt das Peer Review nach wie vor den etablierten Standard für qualitative Bewertungen wissenschaftlicher Leistung dar und erweist sich als vielseitig einsetzbar und anpassungsfähig an den jeweiligen Bedarf. Oft wird daher, in Anlehnung an ein Churchill-Zitat, vom Peer Review als der schlechtesten Form der Qualitätssicherung, mit Ausnahme aller anderen, gesprochen. Konkret wird den Überlastungsdiagnosen mit Blick auf das Peer Review auf zwei Arten begegnet.

Vor diesem Hintergrund interessiert sich das Projekt für spezifische Peer-Review-Formate und deren Vor- und Nachteile nicht als Einzelfälle, sondern als Bestandteile eines umfassenderen Systems der Selbst- und Fremdsteuerung von Wissenschaft. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Peer-Review-Formate durch ihre Verfahrensweisen, Kriterien und Anwendungsfälle dazu beitragen die Qualität, die Legitimation sowie die gesellschaftliche Relevanz und Bedeutsamkeit von Wissenschaft zu begründen. Dies soll anhand von drei Fallstudien geschehen, an denen sich Verfahrensinnovation und -formalisierung von Peer Review unterschiedlich darstellt. Als Heuristik zur Auswahl der Fälle dient die Unterscheidung in Bewertungsgegenstand, Bewertungskriterien und Bewertungsverfahren (Krüger/Reinhart 2017). Als Reaktion auf die erwähnten Überlastungsdiagnosen werden diese drei Aspekte in Fallstudien bearbeitet:

  • Neues Bewertungsverfahren: Lotterien in der Forschungsförderung
  • Neues Bewertungskriterium: „Societal impact“ im britischen Research Excellence Framework
  • Im Wandel begriffener Bewertungsgegenstand: Universitätsverbünde in der deutschen und französischen Exzellenzinitiative.

Dabei werden die verschiedenen Elemente der Peer-Review-Formate mit Blick auf ihre Funktion für die Qualitätssicherung differenziert. Ziel der Untersuchung ist, vermittels einer vergleichenden Verfahrensanalyse eine Typologie von Peer-Review-Formaten zu entwickeln, anhand der das Potential der aktuell im Peer Review erprobten Instrumente, Formalisierungsbemühungen und Innovationen zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis eruiert wird.

 

gefördert duch

Bundesministerium für Bildung und Forschung